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"Ein schwaches Russland ist gefährlicher für uns als ein starkes Russland!" zurück

Außenpolitikexperte Dr. Horst Teltschik beim 1. Osteuropaforum München

Veranstaltungsübersicht

Außenpolitikexperte Dr. Horst Teltschik

Wann und Wo?


9. März 2010
BMW Welt München

Zusatzinformationen

"Es gibt keine Alternative für deutsche Unternehmen. Man muss alle sich bietenden Chancen nutzen – für ein Unternehmen liegen diese in China, für das andere in Osteuropa. Deutschland hat ein Interesse, seine globalen Chancen zu nutzen“, betonte Außenpolitikexperte Professor Dr. Horst Teltschik, ein ehemaliger Berater von Bundeskanzler Helmut Kohl, beim 1. Osteuropaforum der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich Aktiengesellschaft in München.

Er diskutierte vor mehr als 800 Gästen in der BMW Welt München über die Chancen und Herausforderungen in Osteuropa mit einer hochkarätigen Expertenrunde. Mit am Podium: Emilia Müller, Bayerische Staatsministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten, Andrej Grosow, Generalkonsul der Russischen Föderation in München, Professor Dr. Dr. h.c. Anton Kathrein, Gesellschafter der Kathrein Werke KG, Dr. Sándor Peisch, außerordentlicher und bevollmächtigter Botschafter Ungarns in Deutschland, sowie Dr. Ludwig Scharinger, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich Aktiengesellschaft.

Ungarn als Maßstab für Griechenland

Für Teltschik gibt es in Zeiten der Wirtschaftskrise insbesondere in Zentral- und Osteuropa positive Erscheinungen. So war Polen 2009 das einzige EU-Land mit einem Wirtschaftswachstum. Und Ungarn habe begonnen, durch eine Verringerung des Budgetdefizits seine schwierige finanzielle Situation unter Kontrolle zu bekommen. Teltschik: „Das kann ein Maßstab für Griechenland sein.“ Er mahnte, dass Europa nicht an den Grenzen der EU ende, sondern die EU beunruhigende Nachbarschaften wie zum Beispiel mit Weißrussland habe. Darüber hinaus bezeichnete Teltschik Zentralasien als eine „Krisenregion, bei der sich die Interessen von EU, China, Russland und den jeweiligen Anrainerstaaten überschneiden, die Einfluss auf die Länder Zentralasiens nehmen wollen“.

Noch Probleme in Russland

Rund 4.300 deutsche Unternehmen sind laut Teltschik in Russland tätig, das dank seiner Ressourcen wieder an Weltmacht gewonnen habe. Dennoch gibt es für ihn viele Probleme in Russland: „Bürokratische Hürden, rechtliche Willkür und Korruption sind Gründe, weshalb ausländische Investoren ausbleiben.“ Darüber hinaus befände sich auch die russische Grundlagenforschung in einem katastrophalen Zustand. Ein Wandel Russlands könne jedoch nur „von innen“ kommen. „Wenn Präsident Medwedew der Demokratie Feuer unter dem Hintern macht, werden ausländische Unternehmen dort auch mehr Chancen haben“, so der Außenpolitikexperte, der darüber hinaus warnte: „Ein schwaches Russland ist gefährlicher für uns als ein starkes Russland.“

Müller: Donauraum als zentrale Wirtschaftsachse der Zukunft

Staatsministerin Emilia Müller meinte, dass der Donauraum in Europa „eine der zentralen Wirtschaftsachsen der Zukunft sein wird“. Unternehmen im bayerischen Donauraum sollten sich in Zukunft mit Ländern in Zentral- und Osteuropa noch besser vernetzen. Die bayerischen Unternehmen können Zentral- und Osteuropa viel bieten, denn „Bayern ist ein Brand – eine Marke und der Premiumstandort Nummer eins.“ Die bayerischen Unternehmen würden ihre Chancen in allen Ländern Zentral- und Osteuropas nutzen, insbesondere aber in Tschechien, Ungarn, Rumänien, Bulgarien und der Slowakei. Der Freistaat Bayern unterstützt Unternehmen, die in dieser Region Fuß fassen wollen bzw. bereits dort tätig sind mit Delegationsreisen, Messebeteiligungen, Auslandsrepräsentanzen sowie Kontakten zu Regierungen.

Peisch: Ungarn auf gutem Weg

Ungarns Botschafter Peisch zeigte sich sehr zuversichtlich, dass Ungarn den Schwierigkeiten der vergangenen Jahre Herr werden kann: „Die jetzige Regierung kann eine sehr schöne Leistung vorweisen. Die nächste Regierung muss diesen Weg konsequent fortführen.“ Als wesentlichen Faktor, der für Investitionen bayerischer Unternehmen in Ungarn spricht, bezeichnete der Botschafter den gemeinsamen Kulturkreis. „90 Prozent der in Ungarn tätigen deutschen Unternehmen würden wieder hier investieren.“ Für ausländische Investoren seien die Branchen Forschung & Entwicklung, Biotechnologie, Automobilindustrie, Elektronik, Logistik und die pharmazeutische Industrie besonders attraktiv.

Grosow: Lokomotiven Deutschland und Bayern

„In der EU ist Deutschland die Lokomotive unserer Zusammenarbeit, in Deutschland ist Bayern die Lokomotive der deutsch-russischen Zusammenarbeit“, betonte Generalkonsul Grosow im Rahmen der Diskussion. Wenn ein deutsches Unternehmen feste Absichten für ein längerfristiges Engagement in Russland habe, würden Russland die besten Voraussetzungen für eine Ausweitung der dortigen Tätigkeit bieten. Die russische Regierung arbeite ständig daran, die Rahmenbedingungen für ausländische Investoren zu verbessern. Es brauche aber beispielsweise Zeit, um neue Gesetze anzuwenden.

Kathrein: Offen sein für Osteuropa

Für deutsche Unternehmen, die in Zentral- und Osteuropa Fuß fassen wollen, ist es für Anton Kathrein, Gesellschafter der Kathrein Werke, entscheidend, sich auf die Mentalität anderer Länder einzustellen: „Wir müssen offen für das Land sein, in das wir gehen.“ Er verwies auf die vielen positiven Aspekte, die es in Osteuropa gibt. Sein Unternehmen beabsichtigt, langfristig in dieser Region zu investieren. Für Investoren in Osteuropa seien insbesondere Rechtssicherheit, Planbarkeit und eine hervorragende Ausbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wichtig.

Scharinger: Kalkulierbare Währungsrelationen sind entscheidend

Raiffeisenlandesbank OÖ-Vorstandsvorsitzender Ludwig Scharinger sieht in Osteuropa vielfältige Chancen für deutsche und mitteleuropäische Unternehmen: „Die neuen Mitgliedsländer der EU brauchen uns.“ Für ihn sind insbesondere kalkulierbare Währungsrelationen entscheidend. „Die osteuropäischen Währungen müssen in einem Korridor zum Euro gehalten werden“, sagte Scharinger. Darüber hinaus müsse man den Menschen in den osteuropäischen Ländern Zeit lassen: „Wir müssen Sicherheit geben, Vertrauen vermitteln und Optimismus verbreiten. Aber wir sind manchmal etwas zu ungeduldig.“ Die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich begleitet aktuell 17.000 österreichische und süddeutsche Unternehmen bei ihren Aktivitäten in Osteuropa. Sogar im schwierigen Jahr 2009 konnte ein Cash-flow von rund 90 Millionen erreicht werden. Die getroffene Risikovorsorge lag lediglich bei 8,6 Millionen Euro.